Raus aus alten Strukturen, Mustern und Systemen

Heute spreche ich über Systeme: welches Missverständnis häufig damit verknüpft ist, wenn wir „das System“ verlassen wollen – und welche Alternative es gibt, wie sich ein Herzensweg in Verbindung mit Systemen vorstellen lässt.

Alte Strukturen, Muster und Systeme funktionieren so: die Wesen bedienen die Struktur/das Muster/das System.

Viele Menschen spüren, dass das so nicht mehr funktioniert.

Diejenigen, die einen sehr hohen Leidensdruck haben, verlassen das System. Sie tun dies entweder passiv, z. B. durch Burn-Out oder aktiv, indem sie bewusst die Entscheidung treffen „auszusteigen“.

Es gibt auch diejenigen, die „nicht genug“ leiden. Sie stehen zwischen den Stühlen. Sie spüren, dass sie so nicht weiter machen wollen. Dass sie gerne raus würden. Allerdings könnnen sie kein „Wohin“ erkennen. Da sie ihren momentanen Zustand im Vergleich zu dieser Ungewissheit noch erträglich finden, gehen sie den Schritt nicht.

Und es gibt diejenigen, die spüren: es gibt noch mehr als nur die Entscheidung „Entweder im System oder außerhalb“.

Gerade in der Spiritualität kommen viele Menschen mit einem wichtigen Impuls in Berührung:

„Folge deinem Herzen“

Dieser Impuls ist deshalb so bedeutend, weil er uns an eine tiefe Wahrheit erinnert, von der wir lange getrennt gelebt haben. Es gibt einen Kompass im Inneren. Unabhängig von äußeren Systemen.

Dennoch kann dieser Impuls zu einem Missverständnis mit gravierenden Folgen führen.

Nämlich, dass die Person, die diesen Satz hört, ihm innerlich hinzufügt: „Du brauchst jetzt keine Systeme, Strukturen oder Muster mehr.“

Woher kommt dieses Verständnis, und was ist daran das Missverständnis?

Diese Auffassung, dass wir keine Systeme brauchen, wenn wir dem Herzen folgen, kommt aus den negativen Erfahrungen, die die betreffende Person mit Systemen gemacht hat.

Es stimmt ja auch: viele, vielleicht sogar die meisten Systeme/Muster/Strukturen brauchen wir jetzt nicht mehr. Sie dienen wie gesagt nicht uns, sondern sich selbst. Sie stammen aus einer Zeit, in der andere Gesetzmäßigkeiten galten. Den Zusammenbruch dieser Systeme erleben wir gerade.

Es ist verständlich, dass Menschen aus ihren negativen Erfahrungen den Schluss ziehen, dass Systeme/Muster/Strukturen abgeschafft gehören. Dennoch ist es ein Trugschluss.

Es ist immer ein Fehler, aus einer oder einigen konkreten Erfahrung(en) – die stets etwas mit uns selbst und unserer Weltanschauung zu tun haben – Rückschlüsse auf das Gesamte zu ziehen.

Das ist, als würdest du nach einer negativen Erfahrung mit einer Person oder einigen Personen den Schluss daraus ziehen „Na, ich bin wohl nicht für Freundschaften/Beziehungen“ gemacht.

Es kommt zwar vor, dass Menschen solche Schlüsse ziehen – aber meiner Wahrnehmung nach sind sie die Leidtragenden. Sie sind es, denen viele schöne Erfahrungen entgehen, weil sie sie kategorisch ausgeschlossen haben.

Genauso ist es mit Systemen/Strukturen/Mustern: wer sie kategorisch ablehnt, ist am Ende die/der Leidtragende, weil sie/er sich damit in einen permanenten Kampf gegen etwas begibt, was ganz natürlich und überall ist.

Systeme/Strukturen/Muster an sich sind – wie zum Beispiel auch Geld – neutral.

Mehr noch: sie sind dienende Prinzipien. Sie vereinfachen Abläufe und erlauben somit Ressourcen-schonendes Haushalten mit Energien. Ob dabei etwas Positives oder Negatives entsteht, kommt darauf an, wer sie zu welchem Zweck entwickelt.

Wer Systeme/Strukturen/Muster ablehnt, ist nicht nur ständig damit beschäftigt, sich ihnen zu entziehen. Sondern auch damit, permanent das Rad neu erfinden zu müssen, damit auch alles immer schön „frisch“ und „authentisch“ ist.

Ob etwas, dass unter einem extrem hohen Energieaufwand hervorgebracht wird, deshalb unbedingt „besser“, „frischer“ oder „authentischer“ ist als etwas, das nach einem System generiert wird, wage ich zu bezweifeln.

„Folge deinem Herzen“ bedeutet nicht, dass Systeme schlecht sind und zu nichts zu gebrauchen. Es bedeutet auch nicht, dass nur spontane Handlungsimpulse liebevolle und wertvolle Ergebnisse hervorbringen.

Ich bin sehr dafür, an dieser wie an so vielen Stellen die Augen dafür zu öffnen, dass sich beides verbinden darf.

Der eigene Herzensweg MIT Systemen/Mustern/Strukturen – und zwar sowohl mit bestehenden als auch mit neuen, bisher noch nie dagewesenen.

Die Entweder/Oder-Denkweise ist das Hindernis – nicht „das System“.

Es geht darum, die Laufrichtung vieler bestehender Systeme/Strukturen/Muster zu ändern. Systeme, die sich von den Wesen, die sie bedienen, nähren und deren einziges Interesse die Selbsterhaltung ist, sind überholt.

Enige dieser Systeme brechen zusammen. Das werden sie früher oder später von ganz alleine tun. Aber nicht alle, die in solchen Systemen wirken, müssen sie zwangsläufig verlassen.

Hier darf jede/r einzelne genau hinschauen und im eigenen Herzen überprüfen, was stimmig ist: Ist mein Weg hier wirklich zu Ende? Geht es wirklich „raus“ aus dem System? Oder gehöre ich zu den Wesen, die Impulse in dieses System geben können, so dass es sich von innen heraus verwandelt, in ein System, welches uns dient?

Manchmal stellt sich diese Frage nicht nur in Bezug auf die „großen“ Systeme, in denen wir Mitglieder sind. Es lohnt sich auch, das eigene Leben einmal darauf zu untersuchen, ob wir uns selbst ein System kreiert haben – natürlich eingebettet in unseren kollektiven Zusammenhang – das uns auslaugt, aus dem wir gerne „ausbrechen“ würden.

Gerade das Thema Selbständigkeit konfrontiert uns gerne mit diesem Thema. Schließlich erschaffen wir hier etwas aus unseren eigenen Vorstellungen. Wenn wir „das System“ aus einem Fluchtreflex heraus verlassen haben und in die Selbständigkeit starten mit der Hoffnung, dass jetzt „alles besser“ wird, dann werden wir manchmal überrascht, dass uns „das Gleiche in grün“ begegnet.

Was ist also die Antwort? Wie findest du sie, die Systeme/Muster und Strukturen, die dir dienen?

Du findest sie in dir. Du findest sie, indem du dich und deinen natürlichen Fluss beobachtest. Beim Beobachten wirst du dir bewusst.

Du stellst fest, welche deiner Handlungen genuin aus deinem Inneren, aus deinem Wesen entspringen und einen guten Fluss für dich erzeugen.

Du stellst fest, welche deiner Handlungen aus einer Vorstellung kommen, die du von außen übernommen hast. Manches davon mag dir dienen, das darfst du dann natürlich beibehalten. Anderes wiederum blockiert dich. Hier lohnt es sich, dir die Frage zu stellen, wie es denn stattdessen ablaufen könnte.

Allein schon das Stellen der Frage richtet dich darauf aus, die Antwort zu finden. Hab keine Sorge, dass du etwas dafür leisten musst, um an sie heran zu kommen.

Sorge nur dafür, dass dein Raum frei ist, damit du die Antwort wahrnehmen kannst, wenn sie zu dir kommt.

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Wenn du dich gerne intensiver damit beschäftigen möchtest, wie du dir für deine Selbständigkeit dein System entwickeln kannst, dass dir dient, das dich nährt und trägt, dann schau mal, ob mein online-Kurs „Webseite und dann?“ etwas für dich ist.

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