2021-02-23_11-10-59Sarine Wohnzimmer

Meine Wohnung und was sie bedeutet

Vor zwei Jahren bin ich in meine Wohnung gezogen. Sie war und ist von sich aus schon ein Traum und ich habe dann nochmal extra viel Liebe und Arbeit hinein gesteckt und sie zu meinem Traum gemacht. Wohl wissend, dass sie nicht lange meinem Lebensstil entsprechen würde, denn es ist eine Wohnung für eine Person.

Ich wusste, sobald ich sie fertig gestaltet hätte, würde ich jemanden treffen und es würde nicht lange dauern, bis wir zusammen ziehen würden.

Skizze Entwurf Wohnzimmer

Ich traf Carsten dann sogar noch während ich ganz am Anfang mit der Wohnung war und er half mir die etlichen schweren Holzmöbel die vier Treppen hochzutragen und zusammen zu bauen.

Vorgestern wurden diese Möbel von einer Käuferin abgeholt und wir haben Silvester hier verbracht um Abschied von dieser tollen Wohnung zu nehmen.

Zwei Jahre sind viel und gleichzeitig überhaupt nicht.

Der Auszug aus einem Zuhause, dass ich mit viel Liebe ganz nach meinen Wünschen gestaltet habe, obwohl ich wusste, dass es nur für kurze Zeit sein würde, ist ein guter Ego-Test. 🙂 Denn natürlich ist es vorher leicht, sich zu sagen: „Egal, wenn es nur für kurze Zeit sein sollte, und ich hinterher alles wieder weißen muss – ich streiche trotzdem die Wände, weil es mir den Aufwand wert ist.“

Ich finde, ich hatte Recht – und ich würde es trotzdem nicht wieder so machen.

Weil ich verstanden habe, was mein tieferes Anliegen war, das noch bedeutender war, als dass es mir gefällt, meine Umgebung zu gestalten:

Ich hatte das dringende Bedürfnis, einmal alles genau so zu machen und zu haben, wie ich es wollte. Ohne mit jemandem Kompromisse eingehen zu müssen. Und egal, ob die Ausgaben dafür in einem vernünftigen Bezug zu meinem Vermögen standen oder auch dem Zeitraum, für den ich die Investition machte.

Wir gewinnen Erkenntnisse aus Erfahrungen. Darum ist es gut, unseren Wünschen udn Handlungsimpulsen zu folgen und uns dabei zu beobachten – denn oft wissen wir gar nicht so genau, was denn eigentlich dahiter steckt.

Mein Wunsch, einmal alles ganz genau so haben zu wollen, wie ich allein es will kam aus einer Verletzung. Aus dem Gefühl, immer die Vernünftige sein zu müssen, die auf andere Rücksicht nimmt und dabei die eigenen Wünsche opfert. (Du hast die Punkte sicher schon verbunden: Das hat was mit dem Thema Kollektivismus zu tun.)

Es war natürlich kein Zufall, dass meine neue Wohnung mit dem Beginn einer neuen Beziehung zusammen traf – denn diese Verletzung ist ein Beziehungsthema.

Es gibt bestimmt genug Menschen, die meinem Ich vor einem Jahr zusprechen würden und vielleicht so etwas sagen wie: „Ja genau, in einer guten Beziehung muss man sich nicht für den anderen verbiegen. Man muss wissen, was man selber will und wenn der andere dann ein Problem damit hat, dann muss man das auch mal aushalten – oder dann ist es vielleicht gar nicht die richtige Beziehung.“

So habe ich früher auch gedacht. Nach dem, was ich in den letzten zwei Jahren über Beziehung erfahren habe bin ich heute der Überzeugung: genau diese Art zu denken ist der Grund, warum Beziehungen scheitern.

Die Prämisse ist bei diesem Denken ist (so war es auf jeden Fall bei mir): bei einer Beziehung stehen zwei Menschen in einem Widerspruch zu einander. Es geht bei dieser Sicht darum, unterschiedliche Bedürfnisse abzuwägen und aus den vorhandenen Gegebenheiten zu wählen und dann irgendwie mit den Befintlichkeiten zurecht zu kommen.

Die Möglichkeit, dass eine Beziehung sozusagen eine eigene Wesenheit hat, bei der Harmonie und die Erfüllung von Bedürfnissen erst im Zusammenspiel entsteht, und zwar nur wenn sich die Beteiligten aufeinander und grundsätzlich Beziehung zu einem anderen Menschen einlassen, liegt jenseits des Denkhorizontes.

Meine Traumwohnung habe ich sozusagen auf der Prämisse gebaut: „Das ist die Gelegenheit, einmal meinen Willen zu bekommen – danach gibt es wieder Kompromisse und das kann mir niemals so gut gefallen, wie mein eigener Geschmack.“

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Mit diesem Bild von Beziehung (= Gefängnis) spazierte ich in unser erstes Date, damals noch unbewusst – aber es wurde mir zum Glück an genau diesem Tag klar, dass es das war, was mich zögern ließ, Carsten nochmal wieder sehen zu wollen. Dieser Teil, der davon überzeugt war, dass Beziehung per se irgendwie Gefängnis sei. Die Erkenntnis, dass es diese Überzeugung war, die zwischen mir und einer Beziehung zu egal wem stand, kam nicht einfach so über mich – sondern weil Carsten sie mir an den Kopf warf. Und ich durch mein angekratztes Ego hindurch spürte: Was er sagt war wahr.

Es gab seither noch häufig Gelegenheit mir selbst auf die Schliche zu kommen, wie ich an irgendeinem Punkt meinen Willen durchsetzen wollte, aus Angst, dass sonst wieder meine Bedürfnisse übergangen würden.

Doch die Erkenntnis, dass eine gute Beziehung eben kein Aushandeln von „Entweder meine Wünsche oder Deine“ ist, sondern ein „Ich weiß, dass etwas Gutes (Neues) für uns beide entsteht, wenn wir uns aufeinander einlassen“ hat mir geholfen, nicht „nachzugeben“ oder „einzuknicken“, wenn unsere Wünsche scheinbar im Gegensatz standen. Sie hat mir geholfen, ins Vertrauen zu gehen, dass ich von meinem Standpunkt abweichen darf und dass ich nichts verliere, wenn ich mich auf meinen Partner einlasse, sondern etwas gewinne.

So ist jedes Mal, wo ich dies getan habe, eine neue Möglichkeit, eine neue Lösung, ein neuer Weg aufgetaucht, was am Ende immer besser war als mein alleiniger Wille.

Sarine Turhede
Sarine Turhede

Natürlich gab es dennoch einen Augenblick der Traurigkeit, diese wunderschöne Wohnung bald zu verlassen. Sie ist ja nicht nur das Abbild meiner Verletzung sondern eben ein Ausdruck meiner Seele. Dieses Gefühl nehme ich mit und ich weiß, es wird auch in der gemeinsamen Wohnung zum Ausdruck kommen – doch es ist eben noch nicht sichtbar sondern wird erst entstehen. Gerade fühle ich also Dankbarkeit für die schöne Zeit hier und die Vorfreude auf die gemeinsame Wohnung.

Und ja, auch eine große Dankbarkeit, dass es sich nicht wie ein Verlust anfühlt, dass die Wohnung, in die wir zusammen ziehen von den Voraussetzungen nicht so schön ist wie meine. Vor zwei Jahren hätte das tiefes Unwohlsein in mir ausgelöst.

Jetzt weiß ich, dass ich mich darauf freuen darf, dass etwas Schönes entsteht, was ich mir alleine nicht vorstellen könnte, wenn ich mich auf auf Gegebenheiten, Menschen (denn das gilt ja nicht nur für Partnerschaften) und Dinge einlasse, die ich alleine vielleicht nicht gewählt hätte.

Ich glaube nicht mehr, dass wir besser darin werden müssen uns zu behaupten und unsere Bedürfnisse „durchzusetzen“. Ich glaube, wir würden gut daran tun, uns mehr in die Geisteshaltung zu begeben, dass wir uns aufeinander einlassen dürfen – dass wir dafür nicht bestraft oder übergangen werden, sondern dass wir diesbezügliche Verletzungen nur genau so heilen können: Indem wir uns die Erfahrung erlauben, dass etwas Schönes entsteht, wenn wir uns auf andere einlassen.

Ich wünsche Dir ein segensreiches neues Jahr.

Mögen wir alle mehr spüren, dass unser Gegenüber nicht im Gegensatz oder Widerspruch zu uns steht, sondern in göttlicher Verbindung.

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Alles Liebe,
Sarine